Aphorismen contra Algorithmen

Kreuzkirche und Apostelkirche in Wesseling wechseln sich ab mit wortreichen Messen unter Beteiligung der Laien. Das Literaturhaus lockt im Juni mit rheinischer Poesie; zur gleichen Zeit startet die DIG Köln im Rautenstrauch-Joest-Museum ihr 75. Stiftungsfest mit festlichem Programm, während wir uns über die Geburtstage von der Gelassenheit der Schweden und dem skandinavischen Sommer im Hotel Arcada in Stockholm verwöhnen lassen. Gisela erholt sich danach ein paar Tage in Speele bei ihrer Tante Rita und wandert dann mit Claudia durch den Harz, derweil ich mich mit „Romeo und Julia“ im Bauturm und beim Ballett im Depot 1 „Passing/Silent Tides“ vergnüge. In Köln lädt Margarete zum Brunch und Wesseling zum Kulturfest, das uns ein Mandolinenkonzert bietet.

In den Ruinen der Stiftskirche in Bad Hersfeld lassen wir Karl und Franz Mohr „Die Räuber“ mit den „Toten Hosen“ singen, was das „Gute im Bösen“ des Schwaben Friedrich von Schiller unerträglich verlängert und verfälscht. Das Erlebnis vertieft sich durch den Hotel-Besuch eines freundlichen Polizeibeamten gegen 0520 h, um mich vom Parkplatz zu vertreiben, der ab 0500 h für den Markt reserviert war und es bei 20,00 € Verwarnung bewenden lässt. Besser geeignete Parkplätze finden wir beim Fest „600 Jahre Bayertor“ in meiner zweiten Heimat Landsberg am Lech, wo wir es uns an der Bergstrasse im „Chapeau“ bequem machen, um uns mit Jochen, Horst, Erwin, Benno, Peter und Horst nebst Anhang am nächsten Morgen im Cafe am Mutterturm ein Wiedersehen zu einem verspäteten „60-Jahre-Abitur“ zu treffen, dem sich ein Gedenken an unseren Klassenlehrer Klaus auf dem Waldfriedhof anschliesst, bevor Alt-Bürgermeister Ingo uns sein Bild von Landsberg auf einem zweistündigen Spaziergang vermittelt. Der Sonntag gehört seiner Schwester Monika, der mich seit Schülerzeiten eine unvollendete Liebe verbindet.

Das Finanzamt hat mir im Juli die Insolvenz „Rostamian“ aus dem Jahre 2012 versüsst und die restlichen Verluste aus Kapitaleinkünften nach 13 Jahren endlich anerkannt; ich durfte die Damen daran erinnern, mit dem ersten Spatenstich ihren Arbeitsplatz in Brühl 1986 zusammen mit Diether Posser als Finanzminister geschaffen zu haben. Das feiert dann auch die Bundeswehr mit einer musikalischen Gala in Schloss Augustusburg und gibt uns Schwung, die Kiwis Helen und Malcom im „Weissen Hasen“ in Passau zu begrüssen, um mit ihnen die 2019 verpasste Donaureise ans Schwarze Meer nachzuholen. Heisse Tage in angenehmer Gesellschaft von Peter, dem neunzig-jährigen schwäbelnden Ossi, tragen uns mit der „Amelia“ von Passau über die niemals „schöne blaue Donau“ über Wien, Budapest, Belgrad durchs „Eiserne Tor“ nach Rousse in Bulgarien, wo uns für die letzten 400 Stromkilometer die Handbreit Wasser unterm Kiel fehlen. Die Klimaanlagen in Bus und Boot im Delta ertragen die 42° C, die Bukarest uns aufbürdet,. Unerwartet war dagegen, dass Malcolm das Boot in Bratislava mit Rettungswagen wegen eines unerklärlichen Magen- Darmkatarrhs verlässt, ärztlich betreut und versorgt von Helen die Ankunft seines Sohnes Stephan erwartet, der ihm eine Erholung in seinem Haus in Schweden beschert.

Der Gutschein für die Festspiele lockt mich nochmals zu Yasmina Reza’s Erfolgsstücke „Kunst“ und „Der Gott des Gemetzels“ in das Schloss Eichhof nach Bad Hersfeld, ohne dass ich allzu sehr in Begeisterung ausgebrochen wäre. Mit den Klängen von Rhein-Jazz im Rheinforum noch im Ohr, feiere ich mit Dieter und Monika in Bergheim „50 Jahre Rhein-Erft-Kreis“, dessen Kreistag ich 14 Jahre beigewohnt und den Namen „Rhein-“ verschafft habe, nachdem sich der Kreis 1975 – ohne Wesseling – nur an die Erft anlehnte.

Nach dem verregneten ersten Termin hat Karin das Haus- und Hoffest für die 30 Parteien in unserer Düsseldorfer Strasse liebevoll vorbereitet. Die „Kölner Lichter“ leuchten, während wir zum Brunch Karl und Lena, Margarete, aber auch Aureliu und Sven erwarten, ehe wir uns zum Abschluss der Brühler Schlosskonzerte noch einmal dem Händel-Jahr im Treppenhaus von Augustusburg widmen. Alsdann wartet der „Alpenhof“ versteckt im Chiemgau mit Blick auf die Kampenwand auf uns, um endlich Herrenchiemsee zu besuchen, dessen Schloss den Parlamentarischen Rat beherbergte, der uns 1949 das Grundgesetz bescherte. Petra geniesst unsere Gesellschaft und die Fahrt über den Chiemsee, ehe der Rest des Reiseplans zu „Eiger und Jungfrau“, dem „Waldhaus“ in Sils Maria sowie Kutschfahrt ins Fextal im Regen von Lindau stecken bleiben.

Die DIG präsentiert sich zum Jubiläum mit einem 40-minütigen Film über das künstlerische und soziale Schaffen von Lena in Deutschland und Indonesien, das meine Bewunderung hervorruft – der Film erzählt mir mehr über Lena als all die Gespräche über die Jahre.Als Batak-„Ibu“ in Kain und Kebaya gewinnt sie eine strahlende Autorität, die ihr abgeht, wenn sie deutsch spricht. Der Indonesientag bereitet den literarischen Nachtrag vor, der u.a. dem Werk Pramoedyas und seinen Buku Buru gewidmet ist, über die selbst die Deutsche Welle in ihrem indonesischen Programm berichtet. Das Metropol-Teater liefert die „Zofen“, dafür präsentiert Wesseling zum Tag des Denkmals sein frisch renoviertes Kleinod – die „Luziakapelle“ und den „Luziahof“ in meinem Wahlkreis 7, den ich kommunal nie erobern konnte; dafür fiebere ich mit den Basketballern, die mit Dennis Schröder die Weltmeisterkrone erhalten. Britta und Dieter – die Nordlandreisenden aus Bonn -, Addi und Ursula – der Landtagskollege aus Jülich – geniessen die Kuchen, die Gisela Ihnen serviert. Derweil wird Werner in Holzem schon 70 Jahre alt; der Brigida-Chor bringt in St. Josef ein Ständchen. Und in Palästina versuchen sich die unversöhnlichen Söhne Abrahams an einem „Stillstand“, bei dem die Waffen nicht schweigen und „Frieden“ bei den Zionisten, den Siedlern und der israelischen Regierung ein Unwort ist.

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