Dicke Luft in Köln

Auch in Köln sterben jedes Jahr Bürger/innen an den Folgen von Abgasen. Insbesondere der Feinstaub greift die Atemwege an und verursacht Infektionen, die tödlich enden können. Am meisten betroffen sind Kinder, Ältere und Menschen mit einem abgeschwächten Immunsystem. Sie leiden extrem unter diese Luftverschmutzung.

Köln wird sein Ziel zum Einsparen des klimaschädlichen Kohlendioxids verfehlen. Im Vergleich zu 1990 will Deutschland bis 2030  bis zu 55 % Kohlendioxid einsparen. Die Klimaschutzbeauftragte der Stadt, Barbara Möhlendick, ist bewusst, dass es noch ein weiter Weg gibt, bis dieses Ziel erreicht wird. Bis Anfang 2017 hat die Stadt Köln nur 17,6 Prozent an Kohlendioxid im Vergleich zu 1990 eingespart. Der Bürgermeisterkonvent an dem 7.000 Städte in der EU beteiligt sind, müsste die Kommune bis 2020 20 % CO2 einsparen. Weiterhin hat die Stadt ein sehr ambitioniertes Ziel: Bis 2030 will sie 50 % einsparen. Dieser Wert hat sich die Stadt selber gestellt und ist in keinster Weise eine Verpflichtung. Daher kann sie nicht mit Bußgeldern belegt werden. (1)

So befindet sich Köln bei den Emissionen weit über dem weltweiten Durchschnitt. Zum Vergleich werden in Nicaragua 0,8 Tonen je Einwohner und in Rio de Janeiro zwei Tonen pro  Einwohner verursacht. In Köln sind es zehn Tonen! Die Haupttäter für die CO2 Emissionen sind die Industrie – die Kohlekraftwerke gehören dazu – , der Verkehr und die Haushalte. Der Verkehr verursacht 26 % des Ausstoßes und konnte seit 1990 nur um vier Prozent vermindert werden. (1) Eindeutig steht in NRW das Automobillobby hinter diese schlechten Werte, denn der NRW Ministerpräsident  Armin Laschet weigert sich die Dieselfahrzeuge in Städten zu verbieten.

Ob die CO2 klimaschädlich ist, kann wohl wissenschaftlich bewiesen werden. Allerdings bleibt die Messperiode zu kurz, um eindeutige Fakten zu belegen. Dennoch muss man sich im Klaren sein, dass seit der Industrierevolution der Mensch einen wesentlichen Einfluss auf das Klima hat. Ganz im Gegenteil sind die Atemwegbelastungen mit dem Feinstaub nicht mehr zu leugnen. Diese können nur mittels ein Umdenken vermindert werden. Eine effiziente Verkehrspolitik gehört mit den Bewegungsmitteln der Zukunft gefördert.

Deshalb startet Human dignity ab jetzt eine Kampagne namens „Dicke Luft in Köln“ zum Thema Mobilität. Diese wird sich bis ins 2018 hinziehen und hat dieses Jahres mit der Aktion „Wir machen den #RingFrei“ angefangen. Weitere Aktionen sowohl zusammen mit anderen Organisationen als auch in eigener Regie werden demnächst bekannt gegeben.

Bezüglich der Umgestaltung des Kölner Rings in einer für alle freundlichen Flaniermeile werde ich Ihnen auf dem Laufenden halten. Zurzeit laufen das Aufklärungsprogramm aller neun Initiativen und die Besprechungen mit der Stadt Köln. Teststrecken sind auf dem Ring in 30 km/h Zonen umgewandelt. Aber es muss weiter gehen. Das zehn Punkte Papier von Radkomm muss von der Stadt eingelöst werden. Dennoch dürfen wir uns nicht nur mit der Umgestaltung des Kölner Rings zufrieden stellen, sondern muss der Verkehrsausschuss größere Kreise ziehen. Rad- und Fußgängerwege müssen getrennt werden. Der Autoverkehr muss in der Stadt reguliert bzw. erschwert werden, so dass wenig Autofahrer sich noch in der Stadt zutrauen. Es hat nichts mit einem Verbot sondern mit einem gesunden Menschenverstand zu tun. Warum ist der Autoverkehr in Städten wie Amsterdam und Kopenhagen gut reguliert? Und warum dann soll das in Köln nicht umsetzbar sein?

Am 25. Oktober habe ich unsere Verkehrsdezernentin Frau Andrea Blome angeschrieben und folgende Punkte angemahnt:

  • Die volle Umsetzung des zehn Punkte Papiers von Radkomm.
  • Die 30 km/h Teststrecken auf dem Ring mit Geschwindigkeitskontrollen ausrüsten, weil kaum ein KFZ-Fahrer sich an diese Geschwindigkeit hält.
  • Die gefährliche Umgestaltung der Venloer Straße, die schon vor zehn Jahren vom Bündnis 90 die Grünen angemahnt wurde. Tatsächlich hätte die Straße zwischen Piusstraße und Ehrenfeldgürtel im einer Einbahnstraße umgewandelt werden müssen.
  • Mit KFZ zugeparkten Radwegen müssen vom Ordnungsamt öfter kontrolliert werden. Die Bußgelder müssen kräftig erhöht werden sogar die störenden Fahrzeuge abschleppen lassen.
  • Die Radweg- und die Ampelführung und die schlechte Luftqualität auf der Subbelrather Straße.

Bezüglich des letzten Punktes habe ich schon eine Zwischenantwort erhalten. Mit dieser erklärt sich die Stadt bereit, Beobachtungen und Luftmessungen auf der Subbelrather Straße  umzusetzen. Die anderen Punkte werden von anderen Dienststellen in Köln verwaltet. Sobald ich mehr erfahre, werde ich Ihnen hierüber in einem nächsten Blogartikel informieren.

Jetzt sind Sie gefragt:

  • Was kann man tun, um alle Verkehrsteilnehmer zufrieden zu stellen?
  • Warum ist eine Stadtmaut oder eher ein optimales Verkehrskonzept angebracht, um die Autofahrer zu bewegen auf dem ÖPNV umzusteigen?
  • Wie attraktiv muss der ÖPNV sein, um die Autofahrer auf diesem Verkehrsmittel  zu bewegen?
  • Welche Mehrwert bringen Radfahrschnellwege mit sich?

Gerne zu diesen Punkten Ihre konkreten und vor allem konstruktiven Vorschläge.

Sehr bald wird auch ein Treffen organisiert, um Sympathisanten für dieses und andere lokalen Projekte von Human dignity zu gewinnen. Nur Sie als Kölner Bürger/innen haben die Möglichkeit das Leben in Köln attraktiver zu machen. Fangen Sie jetzt an!

(1) Ksta, Oktober 2017

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